Marktbericht und Ausblick 1. Quartal 2026
1. Überblick
Das erste Quartal zeigte einmal mehr, wie schnell sich geopolitische Unwägbarkeiten auf den Kapitalmarkt niederschlagen können. Beherrschte in den ersten beiden Monaten des Jahres noch das Thema „KI-Disruption“ die Märkte, geht spätestens seit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran Anfang März die Angst vor einer neuen Öl- und Gaskrise um. Besonders im Fokus der aktuellen Auseinandersetzung steht die Straße von Hormus (SOH). Durch sie fließen u.a. ca. 20% des Weltverbrauchs an Rohöl sowie eine signifikante Menge an Düngemitteln. Aktuell wird sie durch den Iran blockiert. Bei anhaltender Schließung droht eine Versorgungskrise in Europa und Asien. Aufgrund der stark gestiegenen Öl- und Gaspreise besteht die Gefahr einer höheren Inflation, da beide Rohstoffe nicht nur zur Mobilität bzw. zum Heizen, sondern auch für sehr viele (Vor-)Produkte benötigt werden. Die Märkte gerieten im März entsprechend deutlich unter Druck. Notierten sie Ende Februar noch mehrheitlich im Plus, sorgten die vergangenen vier Wochen für einen Kursrutsch. Der exportlastige DAX verlor seit Jahresanfang knapp 7,5% an Wert. Auch der EuroStoxx 50 und der S&P 500 mussten Kursverluste hinnehmen. Aufgrund aufkommender Inflationssorgen gaben auch die Rentenmärkte nach. Zinssenkungsfantasien zu Beginn des Jahres verschwanden rasch, nun erwartet die Mehrheit der Marktteilnehmer bereits Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf. Anleihen kamen daraufhin unter Druck. Zu allem Überfluss musste auch das Gold seine starken Gewinne der ersten beiden Monate fast komplett abgeben. Da nahezu alle Anlageklassen Kursverluste hinnehmen mussten, rutschten die Portfolien in den negativen Bereich. Einzig der feste USD konnte den Portfolien im ersten Quartal etwas Unterstützung zukommen lassen, da der „Greenback“ gegenüber dem Euro aufwertete.
Marktüberblick für 1. Quartal des Jahres 2026
Quelle: Marktdaten; Bloomberg
Investoren stehen also vor zahlreichen Herausforderungen. Der Iran-Konflikt dominiert die Schlagzeilen und der Ölpreis bleibt der deutlichste Treiber, der sich direkt auf die Inflation und Marktvolatilität auswirkt. Die Inflationserwartungen haben zugenommen und könnten weiter zunehmen, sodass eine vorsichtigere geldpolitische Vorgehensweise der Notenbanken angesichts anhaltender geopolitischer Risiken notwendig sein könnte. Unsere fünf Thesen am Anfang des Jahres
rücken – ohne ihre Gültigkeit zu verlieren – kurzfristig in den Hintergrund:
- Investitionen in den „sicheren Hafen“ US-Staatsanleihen werden sukzessive in andere
Anlageklassen wie z.B. bonitätsstarke Unternehmensanleihen und Gold verlagert werden. - Die technische Dominanz der USA, getrieben durch ihre Investitionen in KI, hält an, wird
aber stärker vom Markt auf Monetarisierung und Profitabilität überprüft. - Europa, angeführt durch Deutschland, hat durch fiskalpolitische Unterstützung die Chance
zu profitieren und entsprechend aus der aktuellen Stagnation hinauszutreten. - Zunehmende Attraktivität von defensiven Substanzwerten, die in den letzten Jahren
besonders in den USA stark vernachlässigt wurden. Kurschancen entstehen durch die
vermehrte Nutzung von KI-Technologie und ein allgemein günstiges Wachstumsumfeld. - Weiter wachsende Nachfrage nach Gold und anderen Vermögenswerten, die außerhalb der westlich kontrollierten Finanzsysteme investierbar sind.
- Investitionen in den „sicheren Hafen“ US-Staatsanleihen werden sukzessive in andere
Welche Entwicklungen der Konflikt und besonders die zeitliche Sperrung der SOH mit sich bringen, verfolgen wir zeitnah und haben die Depots defensiver ausgerichtet. Ein zusätzlicher, taktischer Liquiditätsaufbau kann bei einer weiteren Eskalation erfolgen. Die Goldpreisentwicklung unterstützt
bei kriegerischen Handlungen nur eingeschränkt. Zu seiner hohen Volatilität in diesem Jahr fehlte der negative Korrelationseffekt zu Aktien und Anleihen. Unsere „Barbell-Strategie“ behalten wir bei. Der risikoreichere Teil wurde zu Gunsten der Liquidität reduziert, um die Portfolien gut und situationsgerecht ausbalanciert zu halten, aber gleichzeitig mögliche Chancen zu nutzen.
Wichtige Hinweise
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1. Quartalsbericht 2026, Runte.Weil & Alt GmbH, April 2026. 8 Seiten